Schluss mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft!

26. April 2016  

Resolution des ersten bundesweiten ARD-Freienkongresses

  1. Wir sind viele.
    Zehntausende sind bei ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio als freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 18.000 als arbeitnehmerähnliche.
    Aber egal welcher Status, ob „feste Freie“ oder „freie Freie“:
  2. Wir machen das Programm.
    Die allermeisten Beiträge und Sendungen stammen von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir recherchieren und moderieren, wählen Inhalte und Musik aus, präsentieren Nachrichten, drehen, schneiden, produzieren Sendungen, gestalten Websites, betreuen Social-Media-Auftritte.
    Doch:
  3. Wir sind Arbeitnehmern ähnlich, aber nicht gleichgestellt.
    Wir leisten die gleiche Arbeit, haben aber nicht die gleichen Rechte. Wir haben keine Arbeitsverträge, sondern nur einen „arbeitnehmerähnlichen“ Rechtsstatus. Wir müssen ständig um unser Einkommen fürchten. Sozialleistungen, die für Festangestellte selbstverständlich sind, werden uns vorenthalten. Und das, obwohl wir Tür an Tür mit ihnen arbeiten und oft im gleichen Dienstplan stehen.
    Jetzt kommt dazu:
  4. Die Sender sparen auf unsere Kosten.
    Dass Geld fehlt, ist kein Naturgesetz. Es ist politisch so gewollt. Und während die Einkommen der Festangestellten sicher sind, sparen die Sender vor allem an uns Freien – und damit am Programm. Wer aber guten unabhängigen Journalismus will, muss dafür Geld in die Hand nehmen.
    Und:
  5. Wir wollen von unserer Arbeit leben können.
    Sie gefällt uns und ist genau unser Ding. Wir bringen unsere ganze Kraft und unser kreatives Potenzial ein. Doch die Honorare sind oft nicht angemessen. Sichere Perspektiven fehlen.
    Aber:
  6. Wir wollen arbeiten und dabei gesund bleiben.
    Leider ist immer häufiger das Gegenteil der Fall. Unsicherheit und wirtschaftliche Zwänge machen einige von uns krank. Andere lassen es nicht so weit kommen und verlassen die Sender. Kreative Köpfe, markante Stimmen gehen so verloren. Doch gerade die braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Für uns gilt nach wie vor:
  7. Wir sind offen für Neues.
    Wir eignen uns selbstverständlich neue Techniken an, entwickeln zeitgemäße Formate und Darstellungsformen. Wir brauchen dafür aber auch Zeit und Geld. Berufliche Fort- und Weiterbildung darf nicht in unserer Freizeit stattfinden, und sie muss angemessen vergütet werden.
    Wichtig ist uns auch:
  8. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.
    Jüngere gegen Ältere, Hörfunk gegen Fernsehen oder Online, Festangestellte gegen Freie: Das läuft bei uns nicht. Wir fordern Wertschätzung, Transparenz und Solidarität.
    Und nicht zuletzt:
  9. Auch wir sind der öffentlich-rechtliche Rundfunk!
    Doch nicht überall sind Freie als gleichberechtigte Mitarbeiter anerkannt. Bei einigen Sendern sitzen sie im Personalrat, andere haben eine gesetzlich verankerte Freienvertretung, manche nicht einmal das. Wir wollen Missstände benennen und beseitigen können, wo das nötig ist. Vor allem aber wollen wir die Zukunft unserer Sender mitgestalten. Wir fordern: Freie gleichberechtigt in die Personalräte! Überall.Wir fordern die Intendantinnen und Intendanten, die Rundfunkräte und die Parlamente in Bund und Ländern auf: Macht Schluss mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft!

    — Die Interessenvertretungen für Freie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk —

Weitere Berichte und Infos zu den Diskussionen des Freienkongresses findet Ihr bei den KollegInnen des rbb unter: http://freienkongress.rbbpro.de

2 Kommentare zu “Schluss mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft!

  1. Katrin

    Klasse!, dass es Euch gibt und noch mal Klasse! zu diesem Schreiben! Wie kann ich Euch unterstützen? Bin mittlerweile bereits mehr als 20 Jahre Freie beim MDR, mir macht meine Arbeit auch immer noch Spaß …. und neben allen oben aufgeführten Punkten, die ich 100-prozentig unterschreiben kann, möchte ich noch einen Fakt benennen: Meine Arbeitbedingungen sind mittlerweile so schlecht wie nie zuvor und eine Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Wir sitzen dicht gedrängt in einem großen Großraumbüro, das außerdem noch ausgebaut werden soll. Neben unseren Arbeitsplätzen finden häufig Sitzungen und Geburtstagsrunden statt (ohne Tür oder Zwischenwand), der Lärmpegel lässt manchmal verzweifeln … um doch halbwegs konzentiert arbeiten zu können, brauche ich deutlich mehr Energie …

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    1. Rüdiger Trojok

      Hallo Katrin,
      sorry, dass wir erst jetzt reagieren – irgendwie ist Dein Kommentar während der Urlaubszeit unbeachtet geblieben.
      Wie kannst Du uns unterstützen? Du kannst gerne bei der Freienratsarbeit helfen (z.B. bei Aktionen und Terminen mitmachen). Du kannst Dich aber auch das nächste Mal als Freienvertreterin wählen lassen. Schreib uns doch mal eine E-Mail, damit wir Deinen Kontakt haben.
      Das Problem mit dem Großraumbüro und der Lautstärke beschäftigt viele. Ich kenne auch ‘ne ganze Menge KollegInnen, die davon genervt sind. Soweit ich weiß, ist es immerhin ein Thema bei der Ausbauplanung. Leider beteiligt der MDR hier nur den Personalrat und uns Freien nicht. Also Personalrat ansprechen, damit das Thema Beachtung findet.
      Viele Grüße, Rüdiger

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