Infos zur Rentenanwartschaft bei unständiger Beschäftigung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein Kollege hat sich mal an die Deutsche Rentenversicherung gewandt, um eine definitive Auskunft zu erhalten, wie sich die Sozialversicherungspraxis des MDR (z.T. tageweise An- und Abmeldung) bei freien Mitarbeitern (mit gesetzlicher Renten­versicherung) auf die Renten­an­wart­schaft auswirkt. Freundlicherweise hat er uns die Antwort der Deutschen Renten­ver­si­cherung zur Verfügung gestellt. Und weil er das Ergebnis so gut beschrieben hat, ver­öffent­lichen wir das Anschreiben gleich mit dazu:

Hallo lieber Sprecherrat,
an mich wurde immer wieder die Frage herangetragen, in wie weit unsere Sozialversicherungs-Meldezeiten als freie Mitarbeiter Einfluss auf unsere Rentenanwartschaft haben. Ich hatte vor Jahren schon mal telefonisch die Information von der BfA bekommen, dass bei der Rentenberechnung auch ein nur teilweise belegter Monat als kompletter Monat zählt. Da mir das aber keiner glauben mag und einige ausschließlich deshalb den BTV unterschreiben wollen, habe ich die Renten­versicherungs­anstalt mal um eine schriftliche Stellungnahme zu diesem Thema gebeten.Grundsätzlich wird dies darin auch bestätigt. Interessant dabei ist aber der Einfluss der tageweisen Beschäftigung auf die Rentenanwartschaftsermittlung aufgrund der anteiligen Beitrags­bemessungs­grenze. Was bei Kranken- und Pflege­versicherung durchaus finanzielle Vorteile mit sich bringen kann, könnte bei einem hohen Tagessatz über der anteiligen BBG (derzeit etwa 163€ pro Tag) zu einem geringeren Renten­anspruch im Vergleich zu einem Dauer­beschäftigungs­verhältnis führen!Dies könnte sicherlich für den einen oder anderen bei seiner Entscheidung pro oder contra BTV hilfreich sein.


Und hier die Antwort der BfA im Wortlaut:

Sehr geehrter xxx,

Ihre Anfrage wurde an uns – die Abteilung Grundsatz der Deutschen Rentenversicherung Bund – mit der Bitte um eine Stellungnahme weitergeleitet. Wir wollen Sie bitten, die hierdurch entstandenen Verzögerungen zu entschuldigen und werden uns nun gerne Ihrem Anliegen widmen.

Ihre Anfrage ist auf die Entstehung von Rentenansprüchen in der gesetzlichen Rentenversicherung gerichtet; insbesondere auf die Besonderheiten, die sich hier für unständig Beschäftigte ergeben könnten. Beispielhaft skizzieren Sie die Situation zweier Beschäftigter, die jeweils ein (renten­versicherungs­pflichtiges) Arbeitsentgelt in Höhe von 3000,00 Euro monatlich beziehen. Mit dem Unterschied, dass für einen Arbeitnehmer das Beschäftigungsverhältnis über den kompletten Monat besteht, während es für den anderen Arbeitnehmer nur für 15 Tage dieses Monats gilt (sogenannter »unständig Beschäftigter«).

Betrachten wir nun die rentenrechtlichen Auswirkungen dieses Szenarios speziell auf die zu erwartende Rentenhöhe.

Die Höhe einer Rente bestimmt sich im Wesentlichen nach den individuell (durch Beiträge) versicherten Arbeitseinkommen des gesamten Versicherungslebens. Versichert werden können die Arbeitsentgelte dabei maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze (für das Jahr 2013: 69.600,00 Euro).

In den Rentenbetrag fließen die insoweit individuell versicherten Arbeitsentgelte über die bundeseinheitliche Rentenformel ein, indem ihre drei Faktoren
* persönliche Entgeltpunkte,
* Rentenartfaktor und
* aktueller Rentenwert
mit ihrem jeweiligen Wert zum Rentenbeginn miteinander vervielfältigt werden.

Während der Rentenartfaktor das Sicherungsziel der jeweiligen Rentenart im Verhältnis zur Altersrente bestimmt (für eine Regelaltersrente beträgt er 1,0) und der aktuelle Rentenwert die Rente an die aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten koppelt, ohne dass diese Faktoren vom Versicherten individuell beeinflusst werden können, bestimmen die persönlichen Entgeltpunkte die individuelle Höhe der Rente.

Die durch Beiträge versicherten Arbeitsentgelte werden Kalenderjahr für Kalenderjahr in Entgeltpunkte umgerechnet, indem das versicherte Individualentgelt (höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze, s.o.) durch das Durchschnittsentgelt aller Versicherten (im Jahr 2013, vorläufig: 34.071,00 Euro) für dasselbe Kalenderjahr geteilt wird. Ein individuell versichertes Entgelt in Höhe des Durchschnittsentgelts ergibt folglich einen Entgeltpunkt. In Umsetzung Ihres Beispiels ergäbe das o.g. versicherte Monatsentgelt
3000,00 Euro : 34.071,00 Euro = 0,0881
Entgeltpunkte.

Die ermittelten Entgeltpunkte schließlich werden durch Vervielfältigung mit dem maßgebenden Zugangs­faktor zu persönlichen Entgeltpunkten. Der Zugangsfaktor beträgt 1,0, wenn die Rente zum maß­gebenden Lebensalter – also weder vorzeitig noch verspätet – beansprucht wird; ein Entgeltpunkt ist dann zugleich ein persönlicher Entgeltpunkt. Wird die Rente vorzeitig beansprucht, sinkt der Zugangsfaktor je Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme um 0,003; es ergeben sich weniger persönliche Entgeltpunkte als Entgeltpunkte und es kommt zu einer Rentenabsenkung von 0,3% der Monatsrente je Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme. Wird die Rente hingegen erst nach Vollendung des maßgebenden Lebensalters in Anspruch genommen (trotz Erfüllung aller weiteren Anspruchsvoraussetzungen zu diesem Zeitpunkt), steigt der Zugangsfaktor je Monat der späteren Inanspruchnahme um 0,005; es ergeben sich mehr persönliche Entgeltpunkte als Entgeltpunkte und es kommt zu einer Rentensteigerung von 0,5% der Monatsrente je Monat der späteren Inanspruchnahme der Rente.

Der aktuelle Rentenwert entspricht dem Monatsbetrag einer Rente, der sich aus der Versicherung eines individuellen Entgelts in Höhe des Durchschnittsentgelts für ein Kalenderjahr ergibt. Ab 01.07.2013 beträgt der aktuelle Rentenwert 28,14 Euro. Für einen persönlichen Entgeltpunkt gibt es also (bei einem Rentenartfaktor von 1,0) derzeit eine Monatsrente in Höhe von 28,14 Euro.

Wenn die Rente zum maßgebenden Lebensalter – weder vorzeitig noch verspätet – beansprucht wird, ergeben sich unter der Annahme Ihres Zahlenbeispiels monatliche Rentenanwartschaften in Höhe von derzeit
0,0881 x 1,0 x 28,14 Euro = 2,48 Euro
Es bestimmt also grundsätzlich die Höhe des versicherten Arbeitsentgelts die Höhe der zu erwartenden Rentenanwartschaft. Ob dieses Entgelt aus einer Beschäftigung über einen kompletten Monat resultiert oder »nur« während eines Teilmonats erzielt wurde ist dabei prinzipiell unbeachtlich. Anderes gilt, wenn aufgrund der »teilmonatigen« Beschäftigung das erzielte Arbeitsentgelt die anteilige Beitrags­bemessungs­grenze überschreitet. Das Entgelt ist dann nur bis zu dieser Beitragsbemessungsgrenze versicherungspflichtig. Es wird ein geringerer Rentenversicherungsbeitrag fällig und in die vorstehende Darstellung der Rentenanwartschaftsermittlung flösse folglich ein geringeres (nur das verbeitragte bzw. versicherte) Arbeitsentgelt ein.

Hinsichtlich der Erfüllung bestimmter Mindestversicherungszeiten beziehungsweise Wartezeiten für die Erlangung eines Rentenanspruchs sei angemerkt, dass auch ein Kalendermonat, der nur zum Teil mit einer rentenrechtlichen Zeit (hier: Beitragzeit) belegt ist, als voller Kalendermonat zählt.

Es bleibt noch zu beachten, dass bis zur Herstellung einheitlicher Lebensverhältnisse im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland persönliche Entgeltpunkte (Ost) und ein aktueller Rentenwert (Ost) in Höhe von derzeit 25,74 Euro für die Ermittlung des Monatsbetrages der Renten aus Zeiten, die außerhalb der Bundesrepublik Deutschland ohne das Beitrittsgebiet zurückgelegt wurden (für die im Übrigen auch eine eigene Beitragsbemessungsgrundlage in derzeitiger Höhe von 58.800,00 Euro gilt),gebildet werden, die an die Stelle der persönlichen Entgeltpunkte und des aktuellen Rentenwertes treten.

Weitere und ausführliche Informationen zum Thema Rentenberechnung können Sie unseren Broschüren »Rente: So wird sie berechnet« (alte und neue Bundesländer) entnehmen, die Sie im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/Broschüren zum Thema Rente finden. Außerdem sei Ihnen empfohlen, sich für individuelle und detaillierte Informationen zu Ihren persönlichen Rentenansprüchen unter Angabe Ihrer Versicherungsnummer an Ihren zuständigen Versicherungsträger zu wenden. Abschließend hoffen wir, Ihnen mit unseren Auskünften geholfen zu haben. Sollten Sie weitere Fragen an uns richten wollen, stehen wir Ihnen gerne wieder Zur Verfügung.

Letzte Aktualisierung: 10.08.2013